A RIXON RAIDERS BONUSSZENE

DIE HOCHZEIT

Kapitel 1

Cameron

 

„Ist er eingeschlafen?“ Warme Hände legten sich um meine Taille und Hailee drückte sich an mich, während ich Avery betrachtete.

„Ja, ich bin nicht mal dazu gekommen, die Geschichte zu beenden.“

„Er hatte einen anstrengenden Tag.“ Sie glitt um mich herum.

„Er wird am Samstag einen noch anstrengenderen Tag haben“, entgegnete ich.

„Ich kann es kaum erwarten, ihn in seinem kleinen Smoking zu sehen.“

„Ich kann es nicht erwarten, dich in deinem Brautjungfernkleid zu sehen.“ Ich beugte mich herunter und küsste Hailee. Meine Frau. Meine beste Freundin. Mein Ein und Alles.

Die letzten vier Jahre waren hart gewesen.

Mom hatte ihren Kampf gegen den Hirntumor verloren, kurz bevor Avery geboren wurde, und dann war Dad vor Weihnachten bei einem tragischen Unfall gestorben.

Aber wir hatten gleichzeitig so viel Schönes in unserem Leben, so viel, worüber wir uns freuen konnten. Avery war fast vier, und er brachte so viel Freude in unser Leben.

„Es ist gut, dass es noch nicht zu sehen ist.“ Hailee nahm meine Hände und legte sie auf ihren Bauch, genau dort, wo unser zweites Kind in ihr heranwuchs. „Wir tun das Richtige, wenn wir es ihnen nicht sagen, nicht wahr?“, sagte sie.

„Ja.“ Ich fuhr mit meiner Nase an ihrer entlang. „Es ist ihr großer Tag, Sonnenschein. Wir sollten ihnen nicht die Show stehlen.“

„Ja, das denke ich auch. Aber es wird schwer sein, das vor Fee zu verheimlichen. Du weißt, wie intuitiv sie ist. Sobald sie sieht, dass ich keinen Alkohol trinke, wird sie es wissen.“

„Sie wird zu sehr damit beschäftigt sein, die Aufmerksamkeit aller aufzusaugen.“

„Gut. Aber wenn sie fragt, werde ich nicht lügen.“

„Abgemacht.“ Ich legte meinen Arm um ihre Taille, zog sie näher an mich heran, und presste meinen Mund auf ihre weichen Lippen.

Gott, ich liebte diese Frau so sehr.

Wir waren fast neun Jahre zusammen und mein Herz schlug immer noch jedes Mal wild in meiner Brust, wenn wir uns küssten. Ich liebte Hailee mit jedem Jahr, das wir gemeinsam verbrachten, immer noch mehr. Nach allem, was wir durchgemacht hatten – die Schwangerschaft, als wir noch auf dem College waren, der Tod meiner Mutter, die Hilfe bei der Erziehung meines Bruders Xander, die Tatsache, dass wir ein junges Paar waren, das einen Sohn großzog, und dann der plötzliche Tod meines Vaters – war Hailee da gewesen, an meiner Seite. Sie hielt mich auf dem rechten Weg. Sie war meine Stärke, mein Herz; sie war meine Seelengefährtin, und ich war so verdammt glücklich, dass wir noch ein Baby bekommen würden.

Auch wenn ich ein wenig Angst davor hatte, dass wir einen Elfjährigen, einen Vierjährigen und nun noch ein Neugeborenes großziehen würden.

„Hmm“, murmelte Hailee gegen meine Lippen und kitzelte mich mit ihrer Zunge. „Wir sollten wahrscheinlich das Beste daraus machen, dass er schläft.“

Xander übernachtete bei Hailees Mutter und Stiefvater.

„Ja?“ Ich wich zurück und schaute sie an.

„Ja. Ich brauche dich, Cam.“

„Komm.“ Ich ergriff ihre Hand, führte sie aus dem Zimmer unseres Sohnes und zog die Tür zu.

Als ich unser Schlafzimmer betrat, fiel mein Blick auf das blassgrüne Seidenbrautjungfernkleid, das am Schrank hing. Ich hatte Hailee noch nicht darin gesehen, aber ich wusste, dass sie darin umwerfend aussehen würde.

„Weißt du“, sagte ich und zog sie wieder in meine Arme. „Dieses Kleid weckt alle möglichen Erinnerungen an unsere Hochzeit.“

„Ich bin überrascht, dass du dich daran erinnern kannst“, kicherte sie. „Du warst am Ende des Abends schon ganz schön angeschickert.“

„Stimmt.“ Ich fuhr mit meinen Lippen über ihr Kinn, an ihrem Hals entlang und zu ihrem Ohr. „Aber ich konnte dich trotzdem dazu bringen, meinen Namen zu rufen, Mrs. Chase.“

Hailees Atem stockte. „Vielleicht solltest du meiner Erinnerung nachhelfen.“

Ein Lachen grollte in meiner Brust, als ich meine Hände tief in ihrem Haar vergrub. „Es wäre mir ein Vergnügen, Sonnenschein.“

Langsam küsste ich sie, unsere Zungen verschlangen ineinander und ich knabberte an ihren Lippen. Hailee wurde unter meinen Händen zu Wachs, als ich sie rückwärts zum Bett führte.

„Beeil dich“, stöhnte sie, „falls er aufwacht.“

„Er schläft tief und fest“, sagte ich und zog mir meinen Pullover über den Kopf. Hailees T-Shirt kam als Nächstes. Dann ihre Hose und meine Jeans. Ich hätte nichts lieber getan, als die ganze Nacht damit zu verbringen, jeden Zentimeter ihrer Haut zu verwöhnen, aber als Eltern eines Kleinkindes war jede Minute, die wir für uns allein hatten, ein Luxus.

Und ich hatte nicht vor, auch nur eine einzige Sekunde davon zu verschwenden.

Meine Hände malten eine Landkarte über ihren Körper, studierten jede Vertiefung und jede Kurve und schenkten ihrem Bauch, der von der letzten Schwangerschaft noch weich und rund war, besondere Aufmerksamkeit.

Ich kannte Hailee schon, als sie noch ein Mädchen war, ein Teenager auf dem Weg zur Frau. Aber jetzt war sie eine Frau, jede kleine Unvollkommenheit, jede Narbe und jeder Dehnungsstreifen war ein Zeugnis für das Leben, das wir gemeinsam geschaffen hatten.

„Hör auf, mich zu necken“, stöhnte sie und krümmte sich in meiner Berührung, als meine Finger tiefer glitten. „Cameron!“ Hailee packte mein Handgelenk und drückte meine Hand gegen ihr Zentrum, wobei sie leise aufstöhnte.

„So ungeduldig“, neckte ich und unterdrückte ein Lächeln.

Ihre Augen fixierten die meinen, leuchtend vor Lust. „Er könnte jederzeit aufwachen …“

„Das wird er nicht.“ Ich küsste ihre Nasenspitze und strich mit meinen Fingern aufreizend über ihr feuchtes Höschen.

„Hör auf, mich zu reizen und …“ Hailee sog scharf die Luft ein, als ich zwei Finger in ihre Unterwäsche schob und sie in sie drückte.

„Was hast du gesagt?“ Ich grinste.

Hailee ließ ihren Kopf an meine Schulter sinken und atmete schwer, als ich sie langsam rieb, indem ich meinen Daumen in perfekter Synchronisation über ihre Klitoris kreisen ließ. Nach jahrelanger Übung wusste ich genau, was sie mochte, genau wie ich sie berühren musste, um sie zum Höhepunkt zu bringen.

„Gott, Cam … Gott!“, hauchte sie gegen mein Schlüsselbein und mein Schwanz zuckte als Antwort. „Das fühlt sich so gut an.“

„Nichts im Vergleich dazu, wie es sich anfühlen wird, wenn ich tief in dir versinke.“

Hailee hob ihr Gesicht und schaute mich mit so viel Liebe und Lust an, dass ich mich drei Meter groß fühlte. „Zeig es mir“, neckte sie.

„Komm zuerst.“ Ich krümmte meine Finger tief in ihr, streifte ihren G-Punkt. Sie zuckte in meinen Armen zusammen, klammerte sich an meinen Bizeps und stöhnte meinen Namen, als ein Orgasmus sie in sanften Wellen erfasste.

Ich drückte sie sanft auf das Bett, schob meine Boxershorts von den Hüften und zog sie aus. Hailees verschleierter Blick wanderte sofort zu meinem Schwanz: dick und lang und mehr als bereit, in meiner Frau zu versinken.

Meine Knie stießen an die Matratze und ich hob ihre Beine an und schlang sie um meine Hüften, während ich mich hinunterbeugte und …

„Mama“, ertönte Averys kleine Stimme durch den Flur.

„Mein Gott, Junge, perfektes Timing“, murmelte ich und ließ meinen Kopf auf Hailees Schulter sinken.

Sie gluckste und stieß einen resignierten Seufzer aus. „Ich bringe ihn wieder zum Einschlafen, und dann machen wir gleich weiter.“ Sie küsste mich ausgiebig und versprach mir, dass sie bald wieder zurückkäme.

Aber ich kannte unseren Sohn, und wenn er seine Mama erst einmal in seinem Bett hatte, würde ich sie wohl kaum vor dem Morgen wiedersehen.

„Ich werde gehen“, sagte ich. „Du ruhst dich ein bisschen aus.“

„Bist du sicher?“

„Ja, du trägst unsere Tochter in dir. Du musst dich schonen.“ Ich stieg aus dem Bett und zog mir eine kurze Hose an.

„Tochter, mmh?“, sagte Hailee. „Und woher weißt du, dass es ein Mädchen ist?“

Ich hielt an der Tür inne und blickte lächelnd zurück. „Nur so ein Gefühl.“

 

Hailee

 

„Ich kann nicht glauben, dass es so weit ist“, sagte ich und nahm ein Glas Champagner von Mya entgegen.

Wir hatten uns für einen Mädelsabend zum Verwöhnen in ein Hotel eingebucht. Das letzte Mal vor der Hochzeit. Nur Felicity, Mya und ich.

Beste Freundinnen seit fast neun Jahren.

Gott, ich konnte mir mein Leben ohne diese Frauen nicht vorstellen. Neben Cameron, Avery und Xander waren sie die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und ich konnte es kaum erwarten, Felicity morgen mit meinem Stiefbruder vor den Altar treten zu sehen.

„Warst du damals auch so nervös?“, fragte sie mich.

„Ich kann mich kaum daran erinnern. Viele Erinnerungen an diesen Tag sind ein wenig verschwommen.“ Ich erinnerte mich nur daran, dass ich mich so glücklich fühlte, dass meine Wangen vom vielen Lächeln schmerzten.

„Ja, ich weiß, was du meinst. Ich habe das Gefühl, als hätte ich mein ganzes Leben auf diesen Tag gewartet, und jetzt ist er da, und ich habe schreckliche Angst.“

„Fee, mein Bruder liebt dich. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“

„Ja, Mädchen“, fügte Mya hinzu. „Du hast es achteinhalb Jahre lang geschafft, Jason Fords Freundin zu sein und das Leben im Rampenlicht zu leben.“

Das stimmte. Jason war eine ziemlich große Nummer, nachdem er frisch vom College aus die NFL im Sturm erobert hatte. Seine Karriere bei den Philadelphia Eagles war von einem Erfolg zum nächsten gestürmt. Wie Mya und Asher lebten sie in der Stadt, sodass es heutzutage selten war, dass alle zur gleichen Zeit an einem Ort waren.

Aber nicht an diesem Wochenende. An diesem Wochenende würden wir alle zusammen sein, um dabei zu sein, wenn Felicity und Jason den Bund der Ehe schlossen, und es sollte ein großes Fest werden.

„Ich möchte nur, dass alles glattläuft.“

„Das wird es“, sagte ich und schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. „Cordelia hat den Tag bis ins kleinste Detail geplant.“ Das organisatorische Talent der Hochzeitskoordinatorin des Hotels ließ Marie Kondo aussehen wie eine Hochstaplerin.

„Im Zweifelsfall“, fügte Mya hinzu, „trinkst du einen Schluck.“ Sie drückte Fee das Glas Champagner in die Hand, doch diese hob abwehrend die Hand.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Mein Magen spielt ein wenig verrückt. Das Letzte, was ich brauche, ist, dass mir an meinem großen Tag übel ist.“

„Tief durchatmen und entspannen.“ Ich nippte an meinem eigenen Glas und hoffte, dass keiner der beiden bemerken würde, dass ich es kaum trank. Cameron und ich hatten uns zwar darauf geeinigt, niemandem von dem Baby zu erzählen, aber es war trotzdem schwer, es vor meinen besten Freundinnen geheim zu halten.

„Ich frage mich, was sie machen?“, sagte Fee und stieß einen müden Seufzer aus.

„Wahrscheinlich Bier trinken und in Erinnerungen an die guten alten Zeiten schwelgen.“ Ich lächelte.

„Ich schwöre bei Gott, wenn Asher ihn betrunken macht …“

„Ich habe ihn bereits gewarnt.“ Mya grinste. „Ich habe ihm gesagt, dass ich eine Woche lang den Laden dichtmache, wenn er auch nur daran denkt, Jase in irgendwelche Schwierigkeiten zu bringen.“

„Eine Woche?“, rief ich ungläubig. „Gott, ich habe vergessen, wie es ist, so regelmäßig Sex zu haben.“

„Babe, du hast einen kleinen Menschen, der dich auf Trab hält. Ganz zu schweigen von Xanders Stimmungsschwankungen. Das ist eine Menge.“

„Avery ist fast vier. Ich dachte, es sollte einfacher werden. Meine Mutter und Kent haben Xander gestern Abend mitgenommen, aber Avery hat uns unterbrochen, bevor wir zu den guten Sachen kamen.“

„Das Kind ist so süß, aber ein totaler Schwanzblocker“, schnaubte Mya, und ich gab ihr einen Klaps auf den Arm.

„Ich hoffe, wir können den Hochzeitsempfang genießen.“ Mom und Kent hatten angeboten, sich um die Kinder zu kümmern, damit wir uns entspannen konnten. Kent war allerdings in letzter Zeit gesundheitlich etwas angeschlagen, sodass es zweifelhaft war, ob er lange bleiben konnte.

„Nun, ich für meinen Teil habe vor, meinen Mann zu verführen“, sagte Mya. „Wir versuchen es schon seit fast einem Jahr, und er hat es immer noch nicht geschafft, mich zu schwängern.“

Es war der Versuch eines Scherzes, aber ich sah den Schmerz in ihren Augen. Mya und Ash hatten die letzten zwei Jahre damit verbracht, Kinder zu betreuen, aber wir alle wussten, wie sehr sie sich nach einem eigenen Kind sehnte.

„Ein Jahr ist doch gar nichts“, sagte ich mit einem beruhigenden Lächeln.

„Ich weiß, aber was ist, wenn es achtzehn Monate oder zwei Jahre werden? Ich werde nicht jünger.“

„Du bist sechsundzwanzig, Babe. Du bist jung.“ Fee stand auf und ging zur Küche. „Irgendwelche Wünsche, während ich auf bin?“

„Mehr Champagner“, antwortete Mya. „Ich kann ihn genauso gut trinken, wenn du nicht willst. Er ist zu gut, um ihn zu verschwenden.“

Ich gluckste und nahm einen weiteren vorgetäuschten Schluck von meinem. „Ich sehe mal nach, ob sie Hilfe braucht.“

Mya wedelte unbekümmert mit der Hand und nahm sich einen weiteren der Schokoladentrüffel, die von Felicitys Mutter gestiftet worden waren. Sie hatte die Gastgeschenke für morgen selbst gemacht und hatte noch ein paar übrig gehabt. Aber ich hatte versucht zu widerstehen. Wenn ich morgen noch in mein Kleid passen wollte, musste ich darauf verzichten, mich zu überfressen.

Als ich die Küche betrat, stockte ich, als ich Felicity sah, die sich an der Theke abstützte und Tränen in den Augenwinkeln hatte.

„Fee, was ist los? Was ist denn los?“

„Oh, Babe, ich bin so verdammt daneben.“ Sie schniefte, und ich eilte zu ihr hinüber, stellte mein Glas ab und zog sie in meine Arme.

„Es ist okay, wenn du emotional bist; es ist ein großer Tag.“

„Ja, ich hätte nur nicht gedacht, dass es mich so fertigmachen würde.“ Sie befreite sich aus meiner Umarmung und beugte sich vor, um sich ein Papiertaschentuch zu holen, mit dem sie ihr Gesicht abtupfte. „Mir geht’s gut.“

„Willst du Jase anrufen? Ich kann für dich einspringen, wenn du …“

„Nein, mir geht’s gut, ehrlich.“

Ich nahm ihre Hand in meine und drückte sie sanft. „Du schaffst das, Felicity.“

Sie schenkte mir ein schwaches Lächeln. „Ich habe Glück, dass ich dich habe, Hailee. Du bist meine beste Freundin. Ich liebe dich.“

Emotionen ballten sich in meiner Kehle zusammen, und ich schluckte den Kloß hinunter, der sich dort festgesetzt hatte. „Oje, jetzt bringst du mich zum Weinen. Komm her.“

Wir umarmten uns wieder und hielten uns fest.

Wir hatten einen langen Weg hinter uns, seit wir nur zwei junge Mädchen waren, die darum kämpften, ihren Platz in der Welt zu erobern.

Es hatte sich viel verändert.

Das College.

Wir lebten in verschiedenen Städten.

Babys.

Hochzeiten.

Aber einige Dinge waren so geblieben, wie sie immer waren.

Wie unsere Freundschaft – die Großfamilie, die wir uns geschaffen hatten. Und die Zukunft, die wir alle teilen würden.

Gemeinsam.

 

 

Kapitel 2

Jason

 

Ich drohte zu ersticken. Mein Kragen war zu steif, meine Smokingjacke zu eng, und ich war mir ziemlich sicher, dass jegliches Wasser, das in meinem Körper war, gerade über meine Schweißdrüsen austrat.

„Entspann dich, Mann“, sagte Asher und grinste. „Es ist gleich so weit.“

Mist.

Ich war kurz davor, mich zu übergeben. Nicht, weil ich Zweifel hatte, nein, sondern weil ich am Ende des Ganges stand, umgeben von einhundertfünfzig unserer engsten Freunde und Familienmitglieder.

Ursprünglich hatten wir beide eine kleine, intime Hochzeit gewollt, aber das war schwer zu bewerkstelligen, wenn man der Star-Quarterback der Philadelphia Eagles war. Ich konnte diesen Tag nicht einfach nicht mit dem Team teilen, das mir so viel bedeutete. Wir waren eine Familie. Brüder. Es gefiel mir nicht, im Mittelpunkt zu stehen – was verdammt seltsam war, wenn man bedachte, dass mein Privat– und Berufsleben oft in die Nachrichten wanderte.

Fee und ich versuchten, ein relativ privates Leben zu führen, aber das war nicht immer einfach, und ich war so verdammt dankbar, dass sie all die Jahre zu mir gehalten hatte, als meine Football-Karriere richtig in Schwung kam.

„Ich glaube, ich sehe sie.“ Cam stupste mich an und ließ seinen Blick zu den Doppeltüren am Ende des Raumes schweifen. Tatsächlich konnte ich Hailee und Mya ausmachen, die sich mit Cordelia, der Hochzeitsplanerin, unterhielten. Diese Frau hatte mich zu Tode erschreckt, aber sie hatte Felicitys Traumhochzeit auf die Beine gestellt. Und ein Teil von mir konnte immer noch nicht glauben, dass wir in weniger als einer Stunde als Mr. und Mrs. Ford hier hinausgehen würden.

Scheiße, hörte sich das gut an!

Felicity bedeutete mir alles. Als ich in der Abschlussklasse in die NFL berufen wurde, hatte sie mir zur Seite gestanden und versprochen, mir zu folgen, wo auch immer ich landen würde. Aber ich wusste immer, dass ich in Pennsylvania bleiben wollte. Es war mein Zuhause, und ich konnte mir nicht vorstellen, zu weit weg von unseren Freunden und Familien zu sein.

„Hast du die Ringe?“, fragte ich Cameron zum dritten Mal, und er nickte.

„In der gleichen Tasche, in der sie das letzte Mal waren, als du gefragt hast“, kicherte er.

„Ich hätte darauf aufpassen können“, sagte Asher. Ich warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu, und er fügte hinzu: „Dein Vertrauen in mich ehrt mich.

„Showtime“, flüsterte Cam, und tatsächlich begann der Pianist die ersten Töne von Elvis Presleys Can't Help Falling in Love With You zu spielen. Die Musik erfüllte die Orangerie, hallte von der Glasdecke wider und schien in jede Faser meines Seins zu dringen.

Meine Haut vibrierte, mein Herz schlug wie wild gegen meine Brust, als ich dort stand und darauf wartete, meine zukünftige Frau zum ersten Mal in ihrem Hochzeitskleid zu sehen. Meine Stiefschwester erschien als Erste und führte Avery zum Altar. Er sah so verdammt süß aus in seinem kleinen Smoking, und mir wurde klar, dass ich das auch wollte. Ich wollte ein Kind mit Felicity. Ich wollte sehen, wie ihr Bauch rund wurde, wenn unser Kind darin heranwuchs. Unser Kind. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und sah Cam an, wie er  beobachtete, als Hailee und sein Sohn auf uns zukamen.

Mya kam als Nächste und hielt Xanders Hand. Asher sog beim Anblick seiner Verlobten scharf die Luft ein und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

„Wir sind solche Glückspilze“, murmelte er leise vor sich hin, was ihm ein leises Glucksen des Friedensrichters, der die Trauung durchführte, einbrachte.

Die Hochzeitsgesellschaft erreichte uns – Avery und Xander nahmen ihre Plätze neben Dad und Denise ein, und Hailee und Mya standen an der Seite. Das Klavier verstummte und der Friedensrichter sagte: „Bitte erheben Sie sich für den Hochzeitsmarsch.“

Das Blut rauschte in meinen Ohren, als unsere Gäste aufstanden, gerade als Felicity am Arm ihres Vaters in der Tür erschien. Ihr Kleid war perfekt: eine zweite Haut aus Spitze und Seide, die sich um ihre Kurven schmiegte und wie ein elfenbeinfarbener Wasserfall über ihre Hüften fiel. Aber sie hätte von mir aus auch einen Sack tragen können, denn als ihre Augen meine trafen, versank alles andere hinter einem Schleier.

Ich liebte diese Frau. Ich liebte sie unendlich und unwiderruflich. Und sie machte mir das größte Geschenk von allen, indem sie heute meine Frau wurde.

Tränen traten mir in die Augenwinkel, als sie langsam den Gang hinunter schritt. Als sie bei uns ankamen, küsste ihr Vater sie auf die Wange und nahm neben ihrer Mutter Platz. Ich reichte ihr meine Hand, weil ich sie berühren musste, um mich zu versichern, dass wir beide gemeinsam in dieser Sache waren.

„Hi“, sagte ich mit einem Grinsen.

„Hi.“ Tränen klebten an ihren Wimpern.

„Du siehst … verdammt.“

Sie lachte und ihre Augen strahlten. „Ich fühle mich … ich weiß nicht, was ich fühle.“

Unfähig, mich zurückzuhalten, trat ich näher. „Bist du bereit, Mrs. Ford zu werden?“

Ein breites Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Ich wurde bereit geboren.“

„Gut“, sagte der Friedensrichter, „sind wir bereit, anzufangen?“

Wir nickten beide.

„Liebe Gäste, wir haben uns hier versammelt, um Jason und Felicity in den Bund der Ehe zu führen …“ Die Worte wurden zu weißem Rauschen, während ich Felicity anstarrte – mein Herz, mein Verstand, mein ganzes verdammtes Sein.

Es war schwer zu glauben, dass es eine Zeit gab, in der ich sie nicht gewollt hatte. Niemanden gewollt hatte. Ich war damit zufrieden gewesen, mich auf Football und meine Zukunft zu konzentrieren. Aber Felicity hatte das alles verändert.

Sie drückte sanft meine Hand und ich blinzelte den Friedensrichter an.

„Die Braut und der Bräutigam haben jeweils ein Gelübde vorbereitet, das sie jetzt vorlesen werden. Jason, wenn du den Anfang machen möchtest.“ Der Friedensrichter nickte mir zu, und ich wandte mich Felicity zu und räusperte mich. Da war er, mein großer Moment. Ich hatte schon vor Zehntausenden von Football-Fans, Kamerateams und der ganzen Nation gespielt … aber das war nichts im Vergleich zu diesem Moment.

„Wenn mich das Footballspiel etwas gelehrt hat, dann, dass man hart spielen und hart kämpfen muss, um der Beste zu sein.“ Ich atmete zittrig ein. „Aber du, Felicity Charlotte Giles, hast mich gelehrt, mit der gleichen Leidenschaft, der gleichen Intensität zu lieben.

 „Ich kann dir nicht versprechen, dass das Leben mit mir immer einfach sein wird. Ich kann dir nicht versprechen, dass ich keine Fehler machen werde. Aber ich kann dir versprechen, dass ich mein Leben damit verbringen werde, dich so zu lieben, wie du es verdienst, geliebt zu werden. Denn wir sind am Ziel, Babe.“

„Jason“, sagte sie mit brüchiger Stimme, als sie mich durch ihre feuchten Wimpern ansah.

„Es geht nur um dich und mich, Giles.“ Ich beugte mich hinunter und legte meine Finger sanft an ihre Wange, ohne Rücksicht auf die Tradition. „Du und ich und der Rest unseres Lebens gemeinsam.“

 

 

Felicity

 

Ich war verheiratet.

Verheiratet.

Mrs. Felicity Ford.

Gott, ich konnte es immer noch nicht fassen.

„Herzlichen Glückwunsch“, sagte einer von Jasons Teamkollegen und zog mich in eine Umarmung, die alles aus mir herausquetschte.

„Nimm die Hände von meiner Frau, Tiny.“ Beim Ton von Jasons rauer Stimme krampfte sich mein Magen zusammen.

„Entspann dich, Mann. Ich gratuliere nur deiner schönen Braut.“ Jonas 'Tiny' Melvin drückte mir einen dicken feuchten Kuss auf die Wange. „Ich habe eine Kleinigkeit in deine Karte gelegt.“

„Jonas“, sagte ich. „Das hättest du nicht tun müssen.“

„Doch, musste ich. Jase ist einer der besten Männer, die ich kenne, und ihr beide habt es verdient.“

„Danke.“

Die Männer umarmten sich und Jonas überließ uns das Feld. Jason legte seinen Arm um meine Taille und zog mich an sich. „Wenn mich jemand gewarnt hätte, dass ich mit jedem einzelnen Hochzeitsgast persönlich sprechen muss, hätte ich die Liste auf zwanzig begrenzt.“

„Der schwierige Teil ist vorbei.“ Ich lächelte, fuhr mit meinen Händen über seine Brust und zupfte an seinem Revers. „Jetzt können wir uns entspannen und den Empfang genießen.“

„Ich möchte dich genießen.“ Er küsste mich auf den Mundwinkel, und ein Lachen drang über meine Lippen.

„Später. Jetzt schauen uns alle zu.“

„Und?“ Jase zog sich zurück und sah mir in die Augen. „Ich glaube, ich darf meine Frau an unserem Hochzeitstag küssen.“ Er grinste und eroberte meinen Mund mit einem langsamen, fast schmerzhaften Kuss.

„Ich bin schwanger“, platzte ich heraus, und mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, weil er so angespannt war.

„Schw -schwanger?“ Das Wort kam ihm nur schwer von der Zunge, als wäre es neu und er hätte es noch nie zuvor gehört.

Ich nickte, Tränen glitzerten in meinen Augen. „Ich weiß, dass wir es nicht geplant haben …“

„Wir bekommen ein Baby?“

Wieder ein Nicken.

„Scheiße, wir kriegen ein …“

„Scht“, ich zog ihn näher zu mir und fragte mich, ob es richtig gewesen war, es ihm jetzt zu sagen. Aber ich brauchte ihn bei dieser Sache auf meiner Seite – er musste es so wollen, wie ich es wollte.

Wir hatten darüber geredet, eine Familie zu gründen, in ein paar Jahren, wenn seine Karriere etwas ruhiger wurde. Aber ich hatte in den letzten Monaten Medikamente genommen, und die hatten wohl meine Verhütung beeinträchtigt, denn meine Periode blieb aus, und als ich endlich den Mut aufbrachte, den Test zu machen, war er positiv ausgefallen.

„Ernsthaft? Hast du einen Test gemacht?“

„Drei. Alle positiv. Ich weiß, das Timing ist …“

„Glaubst du, mich interessiert das Timing?“, flüsterte er und lehnte sich zu mir, um uns von den Gästen, die die kostenlose Bar und die Unterhaltung genossen, abzuschirmen.

„Bist du glücklich?“

„Glücklich? Ich möchte mir das Mikrofon schnappen und dem ganzen Raum verkünden, dass ich Vater werde.“

„Jason“, kicherte ich. „Wir können es niemandem sagen. Es ist noch zu früh, und ich will es nicht verraten, bevor wir nicht sicher sind, dass alles gut wird.“

„Natürlich nicht.“ Er küsste mich erneut. „Aber Cam und Asher kann ich es sagen, oder?“

„Noch nicht. Ich habe es noch nicht einmal Hailee und Mya erzählt.“

„Weißt du, ich dachte, dieser Tag wäre perfekt. Du, dieses Kleid“, er fuhr mit der Hand die komplizierte Perlenstickerei entlang meiner Wirbelsäule hinunter. „Endlich kann ich dich meine Frau nennen. Aber du hast gerade all meine Träume wahr werden lassen. Ein Baby.“ Sein Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen. „Wir bekommen ein Baby.“

Die Ehrfurcht in seiner Stimme verblüffte mich. Ich hatte nicht gewusst, was Jason davon halten würde, dass wir so jung schwanger wurden. Er hatte eine erfolgreiche Karriere bei den Eagles, und ich war in einem Tierheim in der Stadt tätig. Wir hatten ein abwechslungsreiches, erfülltes Leben. Ein Baby würde das auf den Kopf stellen. Aber ein Blick auf sein Gesicht reichte, und ich wusste, dass ich mir keine Sorgen machen musste.

Er wollte es.

Jason wollte dieses Baby genauso sehr wie ich.

„Versprich mir, dass du es niemandem erzählst.“

„Scheiße, ja. Okay.“ Er umarmte mich fester und bedeckte mein Gesicht mit kleinen Küssen.

Für jeden, der uns beobachtete, sahen wir wahrscheinlich wie ein frisch verheiratetes Paar aus, das die Hände nicht voneinander lassen konnte. Ich hoffte nur, dass er unser Geheimnis über die Rede des Bräutigams hinaus bewahren konnte.

„Ist das der Grund, warum du dich die ganze Woche nicht gut gefühlt hast?“, fragte er.

„Das und ich war nervös wegen heute.“

„Hast du es dir anders überlegt, Mrs. Ford?“

„Selbst wenn ich das hätte“, sagte ich, „jetzt gibt es kein Entrinnen mehr.“

Er strich mit der Nase an meiner entlang und grinste wieder. „Verdammt richtig, es gibt kein Entkommen.“

~

„Ich bin so verdammt betrunken“, Mya schnappte meine Hand und wirbelte mich zum dritten Mal über die Tanzfläche. „Warum bist du nicht betrunken? Es ist deine Hochzeit. Du solltest schon bis zur Schmerzgrenze betrunken sein.“

„Niemand will zusehen, wie sich die Braut lächerlich macht.“

„Und du“, sie sah Hailee an. „Du bist auch nicht betrunken.“

„Ich wollte nüchtern genug bleiben, falls Avery meiner Mutter und Kent auf der Nase herumtanzt.“

Mya hörte auf zu tanzen, ihr prüfender Blick wanderte über Hailee zu mir und wieder zurück. „Was ist …“, keuchte sie und schlug sich eine Hand vor den Mund. „Ihr seid beide schwanger.“

„Was?“, rief ich. „Nein, bin ich nicht.“

„Ich auch nicht“, fügte Hailee schnell hinzu. Zu schnell.

„Oh mein Gott … bist du etwa?“, platzte ich heraus.

„Nö. Nein. Ich weiß nicht …“

„Doch, das bist du. Du hast deinen Wein beim Abendessen kaum angerührt. Und gestern Abend hast du …“

Sie gab sich geschlagen. „Ich wollte dir nicht die Show stehlen. Es ist dein besonderer Tag.“

„Willst du mich verarschen?“ Ich warf meine Arme um sie, drückte sie fest an mich und lachte. „Ich werde wieder Tante sein. Das beste Hochzeitsgeschenk aller Zeiten.“

Sie zog sich zurück und lächelte mich an. „Ich bin so erleichtert, dass ihr beide es wisst. Es hat mich umgebracht, es für mich zu behalten.“

„Dann sollte ich es wohl auch gestehen“, sagte ich.

„Moment mal“, Hailees Augen wurden groß, „du meinst …“

„Jep.“

„Oh mein Gott, das ist unglaublich. Wir werden zusammen schwanger sein.“

„Mya?“ Ich schaute zu ihr hinüber, und mein Herz sank angesichts der Spur von Schmerz in ihren Augen.

Sie blinzelte und schüttelte den Kopf. „Ich freue mich so für euch beide.“

„Es wird passieren, Babe“, sagte ich und drückte ihre Hand. „Wenn die Zeit reif ist, wird es passieren.“

„Ich weiß. Und bis dahin habe ich eure zwei Babys zum Liebhaben.“ Sie klang auf einmal nüchtern, und Hailee warf ihr einen besorgten Blick zu.

„Hey“, sagte Mya. „Tut das nicht. Ihr müsst nicht das Gefühl haben, dass ihr das nicht feiern könnt. Das ist eine gute Neuigkeit, die beste!“ Sie schlang ihre Arme um uns beide und zog uns näher an sich heran. „Außerdem habe ich noch den ganzen Spaß bei der Vorarbeit.“

„Genießt es, solange ihr könnt“, murmelte Hailee. „Denn wenn das Baby erst einmal da ist, müsst ihr euch diesen Bereich hart erkämpfen.“

„Ich kann es nicht fassen“, sagte ich und konnte das Lächeln nicht unterdrücken, das sich auf meine Lippen legte. „Zwei weitere Babys für unsere Brut.“

Hailee warf einen Blick zu den Jungs hinüber. Sie standen an der Bar, tranken und unterhielten sich. „Wie hat Jason es aufgenommen?“

„Er war so aufgeregt. Es war seltsam, denn ich hatte erwartet, dass er sagen würde, es sei nicht der richtige Zeitpunkt.“

„Er betet Xander und Avery an“, wandte Hailee ein.

„Ja, ich kann es kaum erwarten, ihn mit unserem kleinen Kerl zu sehen.“

„Kleiner Kerl?“, fragte Mya. „Weißt du schon das Geschlecht?“

„Nein, aber ich weiß, dass er einen Jungen haben möchte. Er wüsste nicht, was er mit einer Tochter anfangen sollte.“

„Da hast du recht.“ Hailee gluckste. „Sie würde ihn im Handumdrehen um den kleinen Finger wickeln.“

Wenn ich ihn mir vorstellte – meinen Mann, mein Ein und Alles – mit unserem Baby … mein Herz drohte zu zerspringen.

Ich hatte alles, was ich mir je gewünscht hatte.

Die besten Freunde, die man sich wünschen konnte.

Einen Ehemann, der mich liebte.

Und eine Zukunft, auf die ich mich so sehr freute.

 

 

Kapitel 3

Mya

 

„Tanz mit mir“, ich ergriff Ashers Hand und zog ihn zur Tanzfläche.

„Babe, du bist betrunken, und es ist spät. Ich möchte auf unser Zimmer gehen und …“

„Nur ein Tanz.“ Ich klimperte übertrieben mit den Wimpern und schwang meine Hüften zum schwülen Beat, es war mir egal, dass die Party bereits langsam zu Ende ging.

Und was für eine Party es gewesen war.

Alles an diesem Tag war einfach perfekt. Wenn man dann noch dazugab, dass meine besten Freundinnen beide schwanger waren, war es definitiv ein denkwürdiger Tag.

Trotzdem hatte ich immer noch nagende Schmerzen im Magen. Ich freute mich für sie, so sehr, aber ich wollte das auch. Ich wollte ein Baby. Ich wollte in diesen verdammten Club hinein.

„Ein Tanz“, räumte Asher ein und zog mich in seine Arme. „Du, Mya Bennet, bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe.“

„Sogar, wenn ich betrunken bin?“

„Sogar dann.“ Er küsste mich auf die Nasenspitze und wirbelte mich im Takt der Musik herum. Endorphine strömten durch meine Adern und gaben mir ein schwindelerregendes Hochgefühl.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, seit ich mich ausgetobt hatte. Aber man hatte nicht viel Zeit für sich selbst, wenn man Kinder betreute, die Notfallunterbringung brauchten. Unser Haus war eine Drehtür für traumatisierte Kinder und verhaltensauffällige Heranwachsende. Aber ich liebte es. Einen Unterschied in ihrem Leben zu machen, einen winzigen Teil dazu beizutragen, die Erwachsenen zu formen, die sie eines Tages sein würden. Ich gab ihnen einen sicheren Ort voller Liebe und Trost, wenn sie ihn am meisten brauchten.

Aber so sehr ich meine Arbeit auch liebte, sehnte ich mich doch nach einem eigenen Kind. Wir hatten in den letzten achtzehn Monaten viel darüber geredet, und wir waren beide der gleichen Meinung. Aber unsere Körper wollten nicht mitspielen.

Ein ganzes Jahr lang hatten wir uns Hoffnungen gemacht. Ich machte mir nicht einmal mehr die Mühe, jeden Monat zu testen, denn ich war entschlossen, der Natur ihren Lauf zu lassen. Aber das war leichter gesagt, als getan.

„Babe?“ Asher drückte seine Wange gegen meine. „Was ist los?“

„Hailee und Fee sind beide schwanger.“

„Wirklich?“ Er zog sich zurück und sah mich an, und ich nickte. „Scheiße, ich hatte keine Ahnung.“

„Ich habe es vorhin erfahren. Aber es sollte ein Geheimnis bleiben, bis die Schwangerschaft bei ihnen weiter vorangeschritten ist, und Hailee wollte die Bombe nicht auf der Hochzeit platzen lassen.“

„Wie hast du dich gefühlt, als du das gehört hast?“ Seine Augen funkelten vor Sorge, und dafür liebte ich ihn umso mehr.

„Ich freue mich für sie, natürlich tue ich das. Aber ich kann nicht umhin, mich zu fragen, ob wir jemals schwanger werden.“

„Das werden wir“, sagte er mit voller Überzeugung. „Ich weiß, dass es so sein wird. Ich beobachte dich mit den Kindern, die in unser Haus kommen, und weißt du, was ich sehe? Jemanden, der eine großartige Mutter sein wird. Wir haben Zeit, Mya. Wir haben alle Zeit der Welt. Und wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns erhofft haben, werden wir es trotzdem schaffen.“

„Du hast recht. Ich mache mich lächerlich.“ Ich versuchte, mich von ihm abzuwenden, aber Asher schob seine Finger unter mein Kinn.

„Deine Gefühle sind berechtigt, und es ist okay, sich für sie zu freuen und gleichzeitig traurig zu sein. Aber ein Jahr ist für viele Paare nichts.“

„Ich weiß.“ Ich schlang meine Arme um seinen Hals und lehnte mich dicht an ihn, um Ashers Geruch einzuatmen. Er war mein Anker. Mein Partner in Crime. Mein bester Freund.

„Wir können üben“, hauchte er die Worte auf meine Lippen. „Viel, viel üben. Wie hört sich das an?“

Ich schaute ihm in die Augen und lächelte. „Ich glaube, ich bin jetzt so weit, dass du mich ins Bett bringst.“

~

„Fuck, Babe, du fühlst dich … fuuuck.“ Asher stieß in mich hinein, seine Finger krallten sich in meine Oberschenkel, während er meinen Körper in die Glückseligkeit ritt.

„Mehr“, rief ich und fuhr mit meinen Fingernägeln über seine breiten Schultern. „Mehr …“

Ich liebte das Gefühl, wenn er hart und nackt in mir war. Und dass ich mich ganz gehen lassen konnte, ohne mich darum zu sorgen, dass jemand mithörte, war ein Bonus.

Er zog sich zurück und packte meine Waden. Dann schlang er meine Beine um seine Taille, bevor er langsam wieder in mich eindrang.

„Ahhhh.“ Ich krallte mich in die Laken, der neue Winkel war so tief, so köstlich, dass es mir den Atem verschlug.

„Ich liebe es, dein Gesicht zu sehen, wenn ich dich ausfülle“, sagte er träge.

„Du bist so schmutzig.“

„Nur für dich.“ Sein tiefes Lachen brachte mich zum Schmelzen, und ich hob meinen Blick und sah ihm in die Augen, während er immer wieder in mir versank. Sein Daumen glitt zwischen uns hindurch und fand meinen Kitzler.

„Gott, Ash, das ist … Gott …“

Jeder zusammenhängende Gedanke verflüchtigte sich, als die Lust in mir aufstieg und meine Beine zu zittern begannen.

„Gib es mir“, keuchte er. „Gib mir alles.“

Ich stürzte über die Klippe, ritt auf den Wogen des Höhepunktes und rief seinen Namen. Im Stillen betete ich, dass dies der richtige Zeitpunkt war. Dass unsere Körper das tun würden, was sie verdammt noch mal tun sollten, und ein Baby erzeugten.

„Scheiße, Mya … Scheiße.“ Asher brach auf mir zusammen, verschwitzt und erschöpft. Er küsste mich lange und intensiv, verschlang seine Zunge mit meiner und saugte jeden einzelnen Tropfen Lust heraus.

Seine Hand wanderte hinunter zu meinem Bauch und ruhte dort. „Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Schwimmern dieses Mal eine echte Chance gegeben habe. Er grinste schief.

„Das hoffe ich.“ Denn ein Baby mit dir zu haben, ist alles, was ich will. Ich schluckte die Worte hinunter.

„Es wird passieren, Babe. Wenn nicht diesen Monat, dann den nächsten oder übernächsten, es wird passieren. Und dieses Baby – unser Baby – werden wir über alles lieben.“

„Ich liebe dich.“ Ich strich mit den Händen über seine Schultern und zog ihn herunter, um ihn zu küssen.

„Nicht so sehr, wie ich dich liebe, Mya.“

Ich konnte an nichts anderes mehr denken, als daran, schwanger zu werden.

Aber dieser Mann hier, er war genug.

Und Asher hatte recht.

Was auch immer die Zukunft bringen würde, wir würden es gemeinsam erleben.

Für immer.

 

Asher

 

Ich beobachtete Mya beim Schlafen. Ich beobachtete, wie ihre Augen sanft flatterten, während sie träumte – Träume von mir und dem Leben, das wir hoffentlich zusammen haben würden – und wie sich ihre Brust sanft hob und senkte.

Ich hatte nie eine andere Frau so geliebt, wie ich sie liebte. Ich würde es auch nie tun. Sie war meine ganze verdammte Welt.

Aber ich wusste, dass sie litt, weil unser Wunsch, schwanger zu werden, nicht erfüllt wurde. Es war zwar erst ein Jahr her, seit wir angefangen hatten, es zu versuchen, aber jeder Monat, der verging, war ein weiterer Schlag für ihren Glauben an ein eigenes Baby.

„Ich spüre, wie du mich beobachtest“, murmelte sie und strich mit ihrer Nase an meinem Arm entlang.

„Ich sehe dir gerne beim Schlafen zu.“

„Wie viel Uhr ist es?“ Ein Auge öffnete sich, dieses wunderschöne tiefe Braun, das mich dahinschmelzen ließ. Sie lächelte mich an.

„Kurz nach neun. Wie geht es deinem Kopf?“

„Es fühlt sich an, als ob eine Blaskapelle da drin spielen würde.“

„Das hat man davon, wenn man sein inneres Partygirl entfesselt.“ Ich grinste und strich ihr die wilden Locken aus den Augen.

„Äh. Ich habe doch nichts Peinliches getan, oder?“

„Du meinst, abgesehen davon, dass du mich in unser Zimmer geschleppt und diesen kleinen Striptease für mich gemacht hast?“

„Ash.“ Sie schlug mir auf die Brust, aber ich griff nach ihrem Handgelenk, zog ihre Hand zu meinen Lippen und küsste ihre Finger.

„Hast du eine Ahnung, wie sehr ich dich liebe?“

„Mmh-mmh.“ Mya schmiegte sich enger an mich, während ich mit dem Daumen über ihren Ehering strich.

Es kam mir vor, als sei es gestern gewesen, dass wir in einer kleinen Zeremonie im Garten meiner Eltern geheiratet hatten. Sie wollten, dass wir eine große, aufwändige Hochzeit feiern, aber das war einfach nicht unser Ding. Alles, was uns wichtig war, war, uns vor unseren engsten Freunden und unserer Familie unsere Liebe und unsere Verbundenheit zu erklären.

„Ich stehe jetzt auf und mache mir einen Kaffee. Möchtest du etwas?“ fragte ich sie.

„Nein, ich möchte nichts, danke.“

„Okay. Schlaf noch etwas.“ Ich drückte einen Kuss auf ihr Haar und löste mich von ihr. „Ich wecke dich, wenn wir uns bereit machen müssen.“

„Okay“, sagte sie mit einem verschlafenen Gähnen.

Ich warf das Laken zurück und stieg aus dem Bett, aber Mya hielt mich fest und zog mich wieder zu sich herunter. „Ich liebe dich.“ Sie küsste mich, dann drehte sie sich um und schlief wieder ein.

~

„Ich hatte nicht erwartet, dich schon hier unten zu finden“, sagte ich zu Jase und Cam, als ich mich zu ihnen an den Tisch setzte.

„Hailee war die halbe Nacht wach, mit Übelkeit.“

„Scheiße, Mann, das ist hart.“

„Was ist deine Ausrede?“ Ich ließ meinen Blick zu Jase schweifen, der mich anglotzte.

„Da war ein Pärchen über uns, das es die ganze verdammte Nacht getrieben hat. Ich habe kaum geschlafen.“

Cam und ich explodierten vor Lachen. „Hätten das nicht du und deine neu angetraute Frau sein müssen?“

„Verpiss dich“, brummte Jase, der eine Tasse starken Kaffee trank.

„Gestern war ein guter Tag“, fügte Cam hinzu, „aber lange Nächte mit Essen und Trinken sind nicht mehr so meins.“

„Wenn man Kinder hat, passiert das schon mal, mein Lieber“, sagte ich.

„Wem sagst du das.“ Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „Wie fühlt sich Mya … wegen allem.“

„Sie freut sich für euch alle, natürlich tut sie das. Aber es ist schwer, wisst ihr? Alles, was sie will, ist schwanger zu werden.“

„Es ist noch Zeit.“

„Ich weiß und ich glaube fest daran, dass es passieren wird, wenn die Zeit reif ist.“ Denn ehrlich gesagt, wusste ich nicht, was passieren würde, wenn wir nicht auf natürlichem Wege schwanger werden könnten.

Wenn ich ihr nicht das geben könnte, was sie sich am meisten auf der Welt wünschte.

„Nun, bis dahin haben wir genug Kinder, damit ihr beide beim Babysitten mithelfen könnt.“ Jason brachte ein kleines Grinsen zustande.

„Manchmal kann ich nicht glauben, dass das unser Leben ist. Dass wir so ein verdammtes Glück haben“, sagte ich.

„Ja, ich weiß genau, was du meinst.“ Cam tat einen tiefen Atemzug. „Es war nicht immer einfach, aber ich würde es um nichts in der Welt ändern wollen.“

„Du bist verheiratet, Jase. Verheiratet, und ein Kind unterwegs!“

Ein ehrfürchtiger Ausdruck trat in sein Gesicht, als er mich anstarrte. „Scheiße, du hast recht. Ich bin im Arsch. Völlig und vollkommen im Arsch.

 

Monate später …

 

„Babe, ich bin zu Hause“, ertönte Myas Stimme in unserem Flur. Eine Sekunde später erschien sie in der Tür. „Was machst du gerade?“

„Ich habe gerade ein Videotelefonat mit Jase beendet.“

„Hast du Lily gesehen?“

„Habe ich.“ Ich grinste. „Sie wird schon so groß. Wie war dein Tag?“

„Eigentlich muss ich mit dir reden.“

„Musst du das! Worüber?“

Sie holte etwas aus ihrer Tasche, setzte sich zu mir auf die Couch, und kuschelte sich an meine Seite. „Es ist wahrscheinlich einfacher, es dir zu zeigen.“

„Was ist das?“, fragte ich, als sie mir den Umschlag in die Hand drückte.

„Mach ihn auf und sieh nach.“

Ich runzelte die Stirn. Sie verhielt sich seltsam. Aber ich hatte nichts gegen eine Überraschung oder zwei. Vielleicht waren es ja Eintrittskarten für eine romantische Nacht, nur wir beide in einem Hotelzimmer.

Ja, darauf könnte ich mich durchaus einlassen.

Aber als ich das körnige Schwarz-Weiß-Bild herauszog, hatte ich das Gefühl, dass ich damit falsch lag. „Mya, was … was ist das?“

„Du weißt, was es ist.“ Ihre Stimme wurde rau, und ich hob den Blick, um sie anzusehen.

„Wir sind …“

Sie nickte. „Ich war heute in der Klinik und sie haben es bestätigt. Ich bin ungefähr in der siebten Woche.“

„Aber … wie?“

„Nun, man tut das P in die V und manchmal macht es …

„Wir bekommen ein Baby?“

Ihr zaghaftes Lächeln verwandelte sich in ein breites Grinsen. „Das tun wir.“

„Scheiße, okay. Das ist … wow.“

Nach Jase und Fees Hochzeit hatten wir sechs Monate lang intensiv versucht, schwanger zu werden. Aber es war einfach nicht passiert, und als Jasons Tochter Lily und Cams Tochter Ashleigh auf die Welt kamen, hatten wir beschlossen, es nicht weiter zu versuchen. Es hatte uns aufgezehrt und uns beide gestresst.

Ich schätze, der entspanntere Ansatz hatte wohl funktioniert.

„Da ist noch etwas“, begann Mya, und mir drehte sich der Magen um.

„Ist alles in Ordnung? Was hat der Arzt gesagt? Ist da …“

„Tief atmen“, kicherte sie. „Es ist alles in Ordnung. Aber es gibt eine kleine Komplikation.“

„Komplikation? Okay“, ich atmete tief ein. „Na ja, was auch immer es ist, wir werden es gemeinsam bewältigen.“

„Wir haben keine andere Wahl, denn es sind … Zwillinge.“

„Zwillinge?“ Ich starrte sie an. „Du meinst, es ist mehr als eins da drin?“ Mein Blick fiel auf ihren flachen Bauch.

„Ja“, sagte sie. „Zwei Herzschläge, zwei Babys.“

„Okay.“

„Asher?“ Mya drückte ihre Hand gegen meine Wange. „Geht es dir gut? Du bist blass wie ein Laken.“

„Mir geht’s gut. Alles gut.“

„Brauchst du ein Glas Wasser oder so?“

Ja, ich brauchte etwas.

Ich brauchte eine Minute, um das zu verdauen.

Zwillinge?

Verdammt.